Dienstag, 29. März 2016

… and an old man with a fan


Trade cards depicting women, flowers, babies, a kitchen, a frog, fishing and an old man with a fan sitting on a barrel – from The New York Public Library
Noch eine Liste zum Durchgucken: 100 Filme von Regisseurinnen.
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Mop Macramé. Überhaupt ein toller Blog. "Making stuff happen with little time and energy": sollte ich eigentlich auch mal öfter.
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Dienstag, 22. März 2016

Gelesen: Kippenberger, Keun, Schimmelpfennig

Susanne Kippenberger: Das rote Schaf der Familie – Jessica Mitford und ihre Schwestern
Ach, wie lange habe ich an diesem Buch herumgelesen, über ein Jahr lang bin ich immer wieder eingetaucht in die Lebensgeschichte von Jessica Mitford, die 1917 als fünfte von sechs britischen Upper-Class-Schwestern geboren wurde und später als politische Aktivistin und Autorin in den USA lebte. Es ist Susanne Kippenberger gut gelungen, eine (man kann es nur ahnen) schier unüberschaubare Menge an Recherchematerial zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Sehr nett, vielleicht schon fast ein bisschen zu nett schreibt sie über die exzentrische, engagierte, eigensinnige „Decca“, was die Lektüre unterhaltsam, ja geradezu kurzweilig macht, mich aber leider nie richtig gepackt hat.

Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen
Das kunstseidene Mädchen – das sind wir!, sagte K. mal zu mir, und als S. das Buch dann neulich auch erwähnte, wusste ich, dass ich es jetzt endlich mal lesen muss. 1932 wurde der Roman erstveröffentlicht, er spielt in den 1920ern in Berlin: Hierhin geht Doris, die Ich-Erzählerin, um „ein Glanz“ zu werden, was irgendwie berühmt, begehrt und reich bedeutet. Zwecks Vermeidung von Erwerbsarbeit, oft auch zwecks Erotik hangelt sich Doris von diesem zu jenem Mann („Tilli sagt: Männer sind nichts als sinnlich und wollen nur das. Aber ich sage: Tilli, Frauen sind auch manchmal sinnlich und wollen auch manchmal nur das. Und das kommt dann auf eins raus“) – auch dann noch, als es überhaupt nichts Glanzvolles mehr hat. Das ist alles sehr wahr, sehr witzig, sehr wunderbar. Wenn auch die Zeiten, da ich ein kunstseidenes Mädchen gewesen sein soll, schon so lange zurückliegen, dass ich mich kaum noch an sie erinnern kann.

Roland Schimmelpfennig: An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts
Nach Ende der Lektüre notierte ich mir (eigentlich nicht für den Blog, deswegen minimal wirr): „Ich mochte das Schimmelpfennig-Buch, wie kalt es war, wie traurig es war, dass es Zärtlichkeit gab und Gewalt, dass es den Chilenen gab, der nur Geschichten erzählte und eigentlich gar kein Chilene war, und dass es einen Polen gab, der Angst vorm Alleinsein hatte, und eine vom Leben enttäuschte Mutter, die ihre Tochter schlug und wie die dann wegrannte, und wie die Tochter einer andere Mutter deren Tagebücher verbrannte, und wie die Straßen alle so genau benannt waren, und wie da der Wolf war, der einsame Wolf, natürlich, und wie das im Klappentext (ich lese Klappentexte immer als Letztes von einem Buch, ich finde, Klappentexte verraten zu viel und auch das Falsche, schlagen den falschen Ton an) erwähnt wird, aber im Text gar nicht diese dämliche Eindeutigkeit bekommt, die man erwarten könnte, ich mochte die Konstruktion, und wie der Förster einfach starb und tot war und vorher noch Angst hatte, er könne es nicht schaffen, und wie der Mann und sein Bruder tranken, und wie der Alkoholiker sagte, wer sagt denn, dass ich da bin, und wie alles, fast alles, ineinandergriff und sich verwebte, zu einem Teppich mit Löchern, mit Brandflecken, einem ausgetretenen Teppich, einem Fußabtreter, einem Teppich von Berlin. Ich mochte, dass die Figuren teils nur Marionetten waren, dass die Figuren komisch waren aber nicht allzu, ich mochte das alte Pärchen da unten, die ihre Wohnung nicht verließen, das uralte Männlein und sein Weib, und wie es in ihrer Wohnung stank, und wie die Leute zueinander sagten: Du kannst mit mir kommen, du kannst hier bleiben, und wie ich mir dieses Lebensgefühl immer gewünscht und es nie gefunden habe, in Berlin nicht, nirgends. Und wie man nicht weiß, was aus allen wird, und wie weh das tut, und wie es eben am Ende kein großes Bumm gab, kein großes Finale mit Auflösung und Zusammenführung und was weiß ich, sondern wie man sich vorstellen kann, dass diese episodische Struktur immer so weitergeht und wir alle durch diese oder jene Episode miteinander verbunden sind.“
Kurz: Ich mochte das Buch.

Dienstag, 15. März 2016

Und die AfD?, fragte mich der Mitarbeiter vom Meinungsforschungsinstitut.

Wer?, fragte ich.
Die AfD. Alternative für Deutschland, sagte er.
Keine Ahnung, sagte ich. Nie von gehört, sagte ich. Auf jeden Fall unter fünf Prozent, sagte ich.
Wann hat dieser Anruf stattgefunden? 2013, vor der Bundestagswahl? Es kommt mir länger her vor. Aber ich erinnere mich, wie ich nach meiner Einschätzung gefragt wurde, das Abschneiden diverser Parteien betreffend, und dass die Frage aus irgendeinem Grund so variierte, dass der Mitarbeiter vom Meinungsforschungsinstitut mehrmals die großen Parteien durchging und dann fragte: Und die AfD?
Keine Ahnung. Unter fünf Prozent.
Aufgelegt mit dem Vorsatz, mich mal über diese ominöse AfD zu informieren. Kurz gegoogelt. Mich gefragt, wer wohl Auftraggeber dieser Umfrage gewesen sein mag. Dann nicht mehr weiter dran gedacht. 4,7 Prozent waren es damals am Ende übrigens.

(Seit ich selbst mal bei einem Meinungsforschungsinstitut gearbeitet habe – kurz, aber doch –, mache ich immer mit, wenn ich mal für eine Umfrage angerufen werde. Weil ich weiß, wie froh man ist, wenn auch nur eine Person einem brav und geduldig den ganzen Scheiß beantwortet. Nicht, weil es da um meine Meinung geht – Meinung, die Trottelwährung überhaupt.)

Mittwoch, 9. März 2016

Dass diese Frau,

die an der Straßenecke steht mit Pelzmantel und -mütze und großer Sonnenbrille und Handtasche, Typ: alternde Diva–
die mich anspricht, Entschuldigung, haben Sie mal 70 Cent, ich habe mein Portemonnaie verloren–
und der ich 70 Cent in ihre schmale, warme und etwas schwitzige Hand lege, danke, sagt sie, vielen Dank, ihr Tonfall streng, fast vorwurfsvoll–
dass diese Frau mich überhaupt erst zum Nachdenken darüber bringt, wie es sich wohl anfühlen mag–
Ja, genau.

Montag, 7. März 2016

24. Damals. Als Bären im Wald zur Schule gingen

1. „Hoffentlich findet er mich nicht zu dick!“
2. „Ist mein Busen groß genug?“
3. „Sitzt mein Make-Up noch?“
Für Sie geklickt. 
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"Mein Grundeinkommen" sammelt per Crowdfunding Geld für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Immer wenn 12.000€ zusammen sind, werden sie an eine Person ausgelost.
Und eine Freundin von mir hat da neulich gewonnen. Bäm!
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Nach diesem Video erst mal gegoogelt, ob es wirklich sein kann, dass aus Supermarkteiern noch was schlüpft (für alle, die es wissen wollen: wohl eher nicht).
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I think we're just going to have to be secretly in love with each other and leave it at that …
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Und ich kann nicht mal sticken (heul!)
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Winzige Tänzer_innen!
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Ab und zu schaue ich nach, was Philipp Jahner auf BuzzFeed so macht. Zum Beispiel so was hier. ("24. Damals. Als Bären im Wald zur Schule gingen")
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Einmal so melancholisch auf einem Bett liegen wie Bill Murray.
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Perlentaucher-Rezensionen sind auch manchmal, wie soll ich sagen, eine ganz eigene Kunstform.

Donnerstag, 3. März 2016

Nichts was zu tun

Hotel Berlin, from the New York Public Library
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Es bleibt jeden Tag ein bisschen länger immer noch hell, denke ich, auf dem Fahrrad gen Sprachunterricht strampelnd, der Himmel über mir Hellblau und Rosa (die Farben der Saison, ach was, des ganzen Jahres), der Satz wie schlecht ins Deutsche übersetzt. Im Leben manchmal es ist traurig und schmerzt und es gibt nichts was zu tun, noch so ein Satz, diesmal wirklich aus einer Übung, die wir als Hausaufgabe aufhatten. Es gibt nichts was zu tun. So einfach. So wahr. So schwer zu ertragen.
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Wie viele Schauspieler jetzt Bücher schreiben, sagt G., der selber Schriftsteller ist, ich hätte ja nichts dagegen, sagt er, mal eine Rolle im Theater zu übernehmen, den Hamlet vielleicht, ich denke, ich werde an der Schaubühne mal anfragen, was da möglich ist.
Als ich ihn neulich traf, um mir mit ihm einen Film auf der Berlinale anzuschauen (Wir haben uns so lange nicht mehr getroffen!, sagte G. am Telefon. Willst du dich nicht mehr mit mir treffen, dann sag es gleich, dann leg ich wieder auf!, worüber ich, wie mir jetzt auffällt, nur deswegen lachen musste, weil G. sich zu hundert Prozent sicher sein kann, dass ich mich jederzeit mit ihm treffen würde; ein Prozent Unsicherheit hätte das Ganze schon irgendwie unangenehm gemacht), als ich ihn also neulich traf und zur Begrüßung umarmte, roch er wie eben erst aus dem Bett gefallen – nach verbrauchter Luft, Bettwäsche, die mal gewechselt werden müsste, und Träumen, an die man sich nach dem Aufwachen nicht mehr erinnern kann. Als bräuchte er jetzt erst mal einen Kaffee. Dabei war es schon sechzehn Uhr. Und ich hätte G. als patenten Familienvater nicht mal einen Hauch dieser Verlottertheit zugetraut, die er in dem Moment verströmte. Lass uns noch was essen gehen, sagte G. nach dem Film („Rafi Pitts gehört zu den großen Mysterien des Berlinalewettbewerbs der Ära Kosslick. „Soy Nero“ ist bereits sein dritter Film, der um den goldenen Bären konkurrieren darf. Ein auch nur halbwegs gelungener war bislang nicht darunter“), in irgendeins dieser seelenlosen Restaurants hier.
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Seelenlos, ein Wort, das mir gestern wiederbegegnete. Ich gehe nie zu Aldi, sagte I., als wir vom Sprachunterricht wieder nach Hause radelten, ich finde die Läden immer so seelenlos. Dabei sind wir früher mit der Familie oft dorthin, sogar Brot haben wir bei Aldi gekauft, erzählt er und ich sage: Ja, wir auch, als wir noch klein waren und die Eltern wirklich sparen mussten, haben wir dort immer Großeinkäufe gemacht, meine Mutter mit dem Auto und die Kassiererin, die denselben Vornamen hatte wie ich und wie ich mich an der Kasse, vorne im Einkaufswagen sitzend, manchmal schlafend stellte, weil mir diese Kassiererin nicht wirklich sympathisch war, all diese Erinnerungen sind auf einmal wieder da. Aber das hat nicht dazu geführt, dass ich irgendwelche sentimentalen Gefühle habe, wenn ich einen Aldi betrete, sage ich zu I., er lacht. Guten Hummus soll es im Aldi geben, hat uns eine andere Sprachkursteilnehmerin erzählt.
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Seelenlos. G. und ich sind dann in den PizzaHut gegangen, und es hat uns gut geschmeckt.