Freitag, 26. Februar 2016

Schabischu dü Poatuh

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Der musste sein, was, tagesschau.de?
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Geschichtsstunde: Die Madgermanes.
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Grape Expectations.
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These Cali stars are hypnotizing. They have a presence to them, like they’re heavy. Like they’re hanging from God’s fingers and dangling right in front of your nose, if we believed in that sort of thing.
The Man Dangling the Stars, sehr schöner Text über eine sehr schöne Haltung zum Leben.
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… Moment mal …
Wollten wir denn nich’
Geister rufen eigentlich?
Meister von Aike Arndt.

Montag, 22. Februar 2016

Wenn ich mal eine Frittenbude eröffne,

dann gibt es da nicht nur Hamburger, sondern auch Würzburger, Freiburger und Salzburger („Die folgende Liste enthält länderübergreifend alle Städte mit BURG“).
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Ich fände es schön, wenn sich auch die anderen kritiker_innen der sendung mal besser mit der show befassen würden. Die subtilität, mit der ausbildung und arbeit im neoliberalismus dort nämlich stattfinden, findet sich genauso an den meisten arbeitsplätzen, die ich bisher so kennen gelernt habe (dienstleistungssektor ohne vorausgesetzte qualifizierungen) – alle sind nett, und kritik darfst du üben, und deine personality bringst du auch ein, aber wenn du schwierig bist, dann kriegst du halt weniger_schlechtere schichten oder deine probezeit wird nicht zum festen vertrag.
 technocandy über Germany’s Next Topmodel.
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Machen die Kinder am Tisch Quatsch, werfen wir uns verschwörerische Blicke zu und rollen unbeobachtet ein bisschen mit den Augen. Selbst wenn wir die vollgespuckte Bettwäsche eines Kindes in der Nacht abziehen, sitzt jeder Handgriff und wir sind ein echt gutes Team. Ich finde das alles höchst romantisch.
Frische Brise ist mir so sympathisch.
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Der Berlinale Trailer ist toll. Die Sterne, das Feuerwerk, die Musik. Sie dürfen diesen Trailer niemals ändern.
Aber ich sehe es schon kommen. Irgendwann tritt Kosslick ab und dann übernimmt ein anderer den Laden und macht erst mal Relaunch. Aus “Berlinale” wird: film.woche.berlin.
Aber noch ist es nicht so weit.
Alles ist gut.
Ich fühle dasselbe wie Frau Ruth.
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Auf der Berlinale am meisten beeindruckt gewesen von: Tempestad. Ein mexikanischer Dokumentarfilm von Tatiana Huezo, in der eine Frau aus dem Off ihre Geschichte erzählt, während die Zuschauer auf eine Busreise quer durch Mexiko mitgenommen werden. Wie diese Frau wegen Menschenhandel verhaftet wurde, obwohl sie unschuldig war. Weil irgendjemand bezahlen muss, wie ihr der Anwalt sagte. Wie sie ein Jahr im Gefängnis verbrachte und ihre Angehörigen Geld bezahlen mussten, damit ihr dort nichts passierte. Eine Geschichte wie aus einer anderen Welt. Aus unserer Welt. Hier ein Interview mit der Filmemacherin.
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One of these mornings
Won't be very long
You will look for me
And I'll be gone
Ohrwurm von früher.

Freitag, 12. Februar 2016

Notizen

Opportunity: The Salesman’s Guide, from The New York Public Library
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Die Nominierungen zum Preis der Leipziger Buchmesse sind draußen: In den Kategorien Belletristik und Sachbuch sind insgesamt neun Männer und eine Frau nominiert, in der Kategorie Übersetzung sind es vier Frauen, ein Mann. Aha. (Dieses Buch werde ich sicher lesen.)
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Unter Vätern gibt es so gut wie keine Diskussion über die eigene Rolle und darüber, wer innerhalb der Familie welche Arbeit übernimmt. Selbst für die meisten schreibenden Väter ist das Privatsache und wird auf ihren Blogs oder in ihren Tweets neben den Tests für Kinderwägen kaum thematisiert. 
Jochen König über feministische Vaterschaft.
Dazu auch:
Oje Mann. Du hast es wirklich nicht einfach. Alle sind schuld: Die Mails vom Chef aufs Smartphone, die Turnierplanung des lokalen Fussballvereins, die Frau, die Gesellschaft (!). Nur du nicht.
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Yoga: Worrier Pose (in Perfektion!)
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Tolles journalistisch-literarisches Format: Die Wetterrezension
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Warum fällt das Ausmisten so schwer? Weil jedes Buch eine Seele hat, sage ich mir. Es bewahrt die Gedanken eines Menschen, vielleicht sein Lebenswerk. Ich hüte es nicht nur für mich, sondern für uns alle. Das wäre eine noble Gesinnung gewesen in der Ära vor dem Offsetdruck oder im Kambodscha der Roten Khmer. Im Deutschland von 2016 ist es schlichter Quatsch.
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Gesehen: Ulrich Seidl und die Bösen Buben (noch bis 17.2. online). Dokumentarfilm über Ulrich Seidl, in dem er sich als Meister des Sozusagens zeigt (sogar das Wort Angst kommt nicht ohne ein sozusagen aus), der nicht mal den Vornamen seiner Protagonistin kennt, die bitte nicht im Trainingsanzug, sondern im Bikini am Kicker für ihn posieren soll, weil sonst schaut das ja nach nix aus.
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Aus der Reihe „Arbeitsplätze, die was hermachen“: Das Gravitationswellen-Observatorium

Dienstag, 9. Februar 2016

Gelesen: Ferrante, Berg, Lueken

Elena Ferrante: Die Frau im Dunkeln
aus dem Italienischen übersetzt von Anja Nattefort
„Die Dinge, die wir selbst nicht verstehen, sind am schwierigsten zu erzählen“, sagt die Erzählerin zu Beginn des Romans. Und dann erzählt sie doch, ganz einfach, wie es scheint. Wie sie, Uniprofessorin und Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, alleine Urlaub am Strand macht. Wie sie dort jeden Tag eine neapolitanische Großfamilie beobachtet, gleichzeitig genervt und fasziniert. Und es sind ganz einfache Sätze – „Die Puppe hatte ich, sie lag in meiner Tasche“ – bei denen man beim Lesen plötzlich einen Schreck bekommt. Denn mit dieser Puppe hat das Großfamilien-Kind am Strand immer gespielt, diese Puppe wird nun vermisst und verzweifelt gesucht. „Ich war so traurig in jenen Jahren“, erinnert sich die Erzählerin an die Zeit, als ihre Kinder noch klein waren. „Arbeiten konnte ich nicht mehr, mein Körper fühlte sich leblos an, ohne jedes Begehren. (…) Alles in jenen Jahren schien mir hoffnungslos, ich selbst war hoffnungslos.“ 
Präzise und unsentimental beschreibt die Erzählerin ihre inneren Regungen – all die unbestimmten Sehnsüchte, „die ganze Wut von damals“ (und heute) – ohne sie jemals wirklich fassen zu können. Und am Faden dieser Wahrnehmung, dieser Haltung sich selbst und der Welt gegenüber hängt „ein ganzes Metaphern-Mobile des Verschwindens, Verlierens, Wegnehmens und Verlassens“, wie Till Raether schreibt, über dessen ausführlichen, sehr lesenswerten Blogeintrag ich auf die Autorin aufmerksam geworden bin.
Warum nur sind die Bücher von Elena Ferrante, die in anderen Ländern zu Bestsellern geworden sind, in Deutschland allesamt vergriffen? Doch bitte nicht, weil sie von Frauenleben handeln – und in diesem Fall von einer Frau, deren Verhalten und Gefühle nicht der gesellschaftlichen Standard-Formatvorlage entsprechen (der Klappentext spricht tatsächlich von „einer Frau, die sich nur schwer ihr Versagen als Mutter und Ehefrau eingestehen kann“, was ich für diskussionswürdig halte).
Bester Roman seit Langem jedenfalls. Ob ich jetzt warte, bis die Romanreihe „L’amica geniale“ hoffentlich im Herbst auf Deutsch erscheint, oder die Bücher auf Englisch lese? Hm.

Sibylle Berg: Der Tag, als meine Frau einen Mann fand
Ich mag Sibylle Berg, von Weitem und auf Verdacht, seit ich „Ein paar Menschen suchen das Glück und lachen sich tot“ gelesen habe, das muss wohl, oha, 1997 gewesen sein. Aber einen Roman von ihr habe ich lange nicht mehr gelesen, weil ich diesen All-die-Menschlein-und-ihr-Streben-nach-Glück-dabei-müssen-wir-doch-alle-sterben-Stil auf die lange Strecke nicht so gut haben kann. „Der Tag, …“ tauchte in einer 2015-Buchliste einer Bloggerin meines Vertrauens auf (blöd, dass ich mir nicht gebookmarkt habe, wer das war), und da dachte ich, vielleicht sollte ich es noch mal versuchen. Und ja, das Buch ist schnell gelesen und durchaus unterhaltsam. Aber unterm Strich haben mich die Figuren nicht wirklich interessiert, fand ich das alles so unendlich vorhersehbar: Der Theatermacher und seine Frau in ihrer leidenschaftslosen Liebe zueinander und der Masseur, der für sexuellen Rausch einstehen muss (aber, wie wir am Ende erfahren, auch Gefühle hat, herrje), das Milieu, in dem die Geschichte angesiedelt ist, das Mittelmaß und der Überdruss, das Leiden an sich selbst, an der großen Ödheit, das ewige Seufzen zwischen den Zeilen.

Verena Lueken: Alles zählt
Rätselhaftes Büchlein über eine namenlose Protagonistin, die zum dritten Mal in ihrem Leben an Lungenkrebs erkrankt. Da ist sie gerade in New York und bleibt auch dort, um sich operieren zu lassen. Dieser erste Teil des Buchs mit den Krankenhausszenen, den Erinnerungen der Protagonistin vor allem an ihre Mutter, zu der sie eine sehr innige Beziehung hatte, den literarischen und filmischen Querverweisen hat mir sehr gut gefallen. Der zweite Teil spielt in Frankfurt und widmet sich dem Erleben der Schmerzen, die sehr eindringlich geschildert werden, aber ich hatte den Eindruck, dass die im ersten Teil so präzise Sprache hier zerfasert, repetitiv wird, vielleicht war das auch als Stilmittel bewusst gesetzt, aber mich hat das beim Lesen eher rausgekickt als reingezogen. Vollends ratlos hat mich dann der dritte Teil zurückgelassen, in dem die Protagonistin der Erinnerung an einen Masseur (der ihr einstmals sagte: You are kind) folgend nach Burma reist, dort einen Arzt kennenlernt, seiner Lebensgeschichte lauscht und letztlich von ihm aufgefordert wird, mit ihm in die Berge zu reisen, wo er eine Krankenstation errichten will. Ahja. Schön übrigens die Berg-Lueken-Parallele mit der Figur des Masseurs, die mir jetzt erst auffällt, man möchte sagen: „Der Masseur als Projektionsfläche in der zeitgenössischen Literatur“, und eine Hausarbeit darüber schreiben, aber man studiert ja leider keine Literaturwissenschaften und hat es in seinem Leben nur zwei Semester lang getan.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Notizen

Tailored Smartness in Spring Suits for Ladies, from The New York Public Library
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Filmemacherinnen empfehlen Filme von Filmemacherinnen. Nachdem mein Versuch, alle Filme mit Romy Schneider zu gucken, drei Jahre nach Beginn wohl als gescheitert erklärt werden kann (aber immerhin, ich habe es versucht: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4), könnte ich mir jetzt doch eigentlich diese Liste vornehmen. Zumal mit „Cleo from 5 to 7“ von Agnes Varda und „Daisies“ von Vera Chytilova schon mal zwei Filme dabei sind, die ich ziemlich genial fand.
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Das Leben schien so unendlich wie Herr Kohl, der seit gefühlten 78 Jahren das Land betulich brabbelnd regierte, und wenn junge Menschen Pläne hatten, dann waren es Reisepläne. Reisen. In Orte, die noch nicht von Terroranschlägen beschmutzt waren, Flugzeuge, in denen Reisende nicht vorrangig Sicherheitsrisiken bedeuteten. Wenn doch nur etwas passieren würde, hofften die Meisten. Und sehnten sich nach der Jahrtausendwende.
Sibylle Berg über die Neunziger, das Jahrzehnt meiner Jugend. Ja, die Jahrtausendwende, und wie wir zu Silvester 99/00 extra nach Hamburg gefahren sind, und da rumstanden an der Außenalster oder wo, warum eigentlich. Wer feiert in Berlin schon Silvester am Brandenburger Tor, fragte H. mich neulich, und ich sagte, Leute wie du und ich, wie wir damals in Hamburg, junge Leute, Touristen.
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So meistert man also die großen Werke der Weltliteratur: Schritt für Schritt, mit fünfundzwanzig Seiten pro Tag
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Gesehen: Schnee von gestern (Trailer hier), ein unglaublich berührender Dokumentarfilm der israelischen Regisseurin Yael Reuveny, deren Großmutter und Großonkel beide den Holocaust überlebt, sich aber nach dem Krieg nicht wiedergetroffen haben. Die Großmutter ist Zeit ihres Lebens davon ausgegangen, ihr Bruder sei gestorben. Tatsächlich aber, und dem geht die Filmemacherin nach, ist er in Deutschland geblieben und hat dort eine Familie gegründet. Eigentlich ausgeliehen, weil ich auf Wikipedia gelesen hatte, dass Hauschka die Filmmusik gemacht hat (die auch sehr schön ist).
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Der Literaturbetrieb, in dem prinzipiell jeder alles macht, einfach, um sein Überleben zu sichern, ist deshalb grundsätzlich dysfunktional. Dass er trotzdem irgendwie weiter existiert, noch zumindest, liegt daran, dass es die Beteiligten schaffen, die zynische Grundlage seines Doch-Funktionierens immer wieder auszublenden. Der Preis dafür ist freilich hoch, und viele geben schließlich auf oder freunden sich mit dem Zynismus an.
Das andere Schreiben“, ein sehr lesenswerter Essay von Thorsten Krämer, der zehn Jahre lang Fernsehtexterei betrieben hat (und wegen dessen Off-Texten zu „Das perfekte Dinner“ ich die Sendung zwar nicht regelmäßig, aber wenn, dann immer sehr gerne geschaut habe, bis der Fernseher sich dann verabschiedet hat).

Dienstag, 2. Februar 2016

Gelesen: Shipstead, Friedrichs, Kuckart

Maggie Shipstead: Dich tanzen zu sehen
Ein Roman, der in der Ballettwelt spielt. Juchu! Ähem. Bevor Joan Mutter wurde, war sie mal Tänzerin, bevor Joan Mutter wurde, hat sie mal einem russischen Ballettstar (den sie sehr begehrt hat) zur Flucht in die USA verholfen, bevor Joan Mutter wurde, hat sie Jacob geheiratet, den sie seit der Jugend kennt (und nie begehrt hat), und wie sich herausstellt (Achtung „Spoiler“), ist natürlich Arslan und nicht Jacob der Vater von Joans Sohn, und wie sich herausstellt, ist dieser Sohn tänzerisch unglaublich talentiert, und wie sich herausstellt, wird Arslan am Ende mit der Frau, die als Kind bei Joan in den Ballettunterricht gegangen ist, glücklich usw. usf., es ist leicht, sich über die Vorhersehbarkeit, die Melodramatik lustig zu machen, dabei ist es schwer, so eine Geschichte zu komponieren mit all den Zeitebenen und dem ständigen Wechsel zwischen selbigen und all dem Personal und all den Ballettvideos auf YouTube, die sich die Autorin, so las ich irgendwo, zu Recherchezwecken angeschaut hat, und es ist leicht, sich darüber lustig zu machen, dass man solche Bücher hin und wieder ganz gerne liest, weil sie sich eben einfach so weglesen lassen, weil sie unterhaltsam sind, weil sie nicht viel Raum beanspruchen im Geist und man sich in dem selbstgefälligen Gefühl suhlen kann, sich unter seinem Niveau zu amüsieren. Trotzdem den Vorsatz gefasst, mich in 2016 wieder vermehrt „wertvollerer“ Lektüre zu widmen.

Julia Friedrichs: Wir Erben
Untertitel: „Was Geld mit Menschen macht“, vielleicht ein bisschen verfehlt, denn worunter viele der in dem Buch porträtierten Erben leiden, ist offenbar eher, dass sie besagtes Geld nicht selbst verdient haben (der Kapitalismus, der alte Schlawiner). Dieses Etwas-verdient-haben schiebt sich seit geraumer Zeit ergebnislos in meinem Kopf hin und her, denn die Tatsache, wie wenig jeder einzelne Mensch es „verdient“ hat, in welche Verhältnisse auch immer überhaupt hineingeboren zu werden, hält die Menschheit ja nicht davon ab, immer weiter die Legende von Glückes Schmied, der wir angeblich alle selber sind, zu erzählen. Ich mag Julia Friedrichs persönlich gefärbte Art zu schreiben (Beispiel Kapitelüberschrift: „Ich werde immer so müde, wenn ich ins Jakob-Kaiser-Haus gehe“), bin ihr auch ganz gerne zu den Porträtierten gefolgt, aber meinte auch zu merken, wie ihr und damit dem Buch irgendwann die Luft ausgeht und sich die Lethargie der Verhältnisse über die Lektüre legt (Beispiel Kapitelüberschrift: „Ich werde immer so müde, wenn ich ins Jakob-Kaiser-Haus gehe“), ein paar haben Geld und schützen es und sich selbst gut, andere wiederum haben keins und können bloß an Türen klopfen, die ihnen für immer verschlossen bleiben werden, und die Politiker in besagtem Jakob-Kaiser-Haus stützen auch nur müde ihren Kopf in die Hand.

Judith Kuckart: Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück
Elf Geschichten, die lose miteinander verbunden sind durch ihr Personal, z. B. die Schauspielerin, die in Polizei-Uniform kostenlos Zug fährt und sich eine Tochter erfindet, oder der Sohn des Klavierlehrers, der einst zwei seiner Schülerinnen umgebracht hat; Figuren, die im Leben herumstehen und oft überhaupt nicht wissen, was sie da eigentlich sollen, die in ihre Abschiedsbriefe schreiben, jemand möge bitte noch die Pfandflaschen wegbringen, und die keine Antwort geben, wenn sie gefragt werden, wovor sie Angst haben – Figuren also, für die ich die größten Sympathien habe. „Als ich weiterging, sah ich, der Sommer bekam bereits braune Ränder“, so lautet der letzte Satz des Buchs und als ich es zuklappte, hatte ich das Gefühl, es eigentlich gleich wieder aufklappen und es noch einmal lesen zu müssen, aufmerksamer, genauer, um wirklich zu verstehen, wie nun alles mit allem zusammenhängt, die Figuren, die Episoden, die sich wiederholenden Anspielungen. Aber weil ich keine unaufmerksame, ungenaue Leserin bin, und weil ich dieses Gefühl von Kuckart-Büchern schon kenne, habe ich es nicht getan. Ich denke, es soll so sein. Es bleibt immer ein Rätsel zurück, etwas, das sich einem entzieht, weil Judith Kuckart eben stets sozusagen an den braunen Rändern des Geschehens entlangerzählt, die Mitte, das Eigentliche umkreisend. Das muss man mögen. Mich macht es auch immer ein bisschen nervös.