Dienstag, 28. Juli 2015

Wenn ich daran denke, was jetzt wieder alles umsonst war

Wenn ich daran denke, was jetzt wieder alles umsonst war, schreibe ich auf einen Zettel (endlich wieder mehr Zeit zum Schreiben), den ich fortan als Lesezeichen benutze (endlich wieder mehr Zeit zum Lesen). Der sogenannte Strategieplanungstag, die Kundenanalyse, die unzähligen Präsentationen, die Diskussion über den neuen Firmennamen, das Basteln der neuen Website, all die Meetings, bei denen über eine Zukunft diskutiert wurde, die es nun doch nicht geben wird. 
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Ein sehr schönes Buch: Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen, das zu sehr großem Appetit auf Kimchi führte, vorerst nicht selbst gemacht, sondern mitgenommen aus der Kühltheke des Asialadens:
Foodfotografie, ich komme
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Über Cloudette vorhin auf diese Liste gestoßen: Grundnahrungsmittelvorrat für eine Person und 14 Tage. Gruselwusel bei gleichzeitiger Faszination: Kirschen im Glas, Birnen in Dosen, Aprikosen in Dosen, auf staatlichen Rat gebunkert.
Weiters herausgefunden, dass es eine Warn-App gibt, herausgegeben vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Sie heißt NINA. „Mit NINA sind Sie stets aktuell über Gefahren informiert, denn die Push-Funktion macht Sie auf neue Warnungen aufmerksam.“ Was will man mehr, als stets aktuell über Gefahren informiert zu sein? Höchstens ein paar Dosenaprikosen.

Mittwoch, 15. Juli 2015

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Ich träume, dass mein Buch bereits erschienen ist, ich halte es in der Hand, es ist dick und hat einen Leineneinband, ich kann mich gar nicht daran erinnern, es zu Ende geschrieben zu haben, ich denke nur: Huch, mein Buch ist ja schon da, hab ich gar nicht mitbekommen! Und das, obwohl ich jeden Tag den Perlentaucher lese. Ist wohl noch nicht rezensiert worden, folgere ich daraus, hat also keine Aufmerksamkeit bekommen, tja. Fazitgefühl: Kein Erfolg. Und das wiegt schwerer als das Buch in meiner Hand.
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Das Hotpantsverbot zieht an mir vorbei, die Bravo-Flirttipps ziehen an mir vorbei, ich erinnere mich an eine Stelle in einem Kinder-/Jugendbuch, wo sich die Erzählerin über ein anderes Mädchen in ihrer Klasse lustig macht, das sich immer Vaseline auf die Lider schmiert, für einen strahlenden Blick, und wie ich mir dann auch Vaseline auf die Lider geschmiert habe, und wie das gar keinen Effekt hatte. Wie ich solche Tipplisten damals verschlungen hätte, ganz sicher, und wie ich jahrelang supergut angekommen bin mit Dauerlächeln und -schweigen, so geheimnisvoll, ganze Jahre verplempert mit Zuhören, Zuhören, Zuhören.
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Ich fand Victoria einen Scheißfilm. Habe weder dieses Wir-sind-echte-Berliner-Getue geglaubt noch dass Victoria in drei Monaten Berlin niemanden kennen gelernt haben soll, und dann die Vergangenheit als angehende Konzertpianisten, das als Identifikationsangebot an die höherschichtige Zuschauerschaft, nee. Unglaublich lahmer Anfang, und dann diese blondierte Karikatur von einem Oberschurken, Bitch hier, Bitch da, und dass Victoria im weiteren Verlauf nicht ein einziges Mal auch nur eine einzige vernünftige Entscheidung zu erwägen scheint. Aus feministischer Sicht nicht vertretbar, hab ich jemals erwähnt, dass dieses Urteil, damals über den Film Black Swan gefällt, zu meinem Blogtitel führte?
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Ich habe zu nichts Lust. Zu nichts, nichts, nichts. Dieses graue Gefühl, eine Wolkendecke aus Beton, schwebt über meinem Kopf.
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Vielleicht bist du ja wie eine Spinne, die sich gerade häutet, sagt L. zu mir, L., die mir einfach so selbstgebackene Kekse im Büro vorbeibringt, L., die – ich romantisiere jetzt – die Freiheit besitzt, sich einfach so in die Küche zu stellen und Kekse zu backen, wenn sie Lust dazu hat, und damit dann noch andere Menschen zu beglücken. Spinnen häuten sich auch?, frage ich, ich dachte, nur Schlangen. Doch, Spinnen auch, sagt sie.