Dienstag, 18. November 2014

Zu dumm


Die sind zu dumm zum Scheißen!, brüllt der neue Chef ins Telefon, die Tür zu seinem Büro ist weit geöffnet, die Praktikantin, die er vom Fleck weg als persönliche Assistentin engagiert hat und die ihm seitdem immer gegenübersitzen muss, findet das wahrscheinlich witzig (ich mag sie nicht, aber sie ist sehr jung und sie tut mir leid, eben weil sie so jung ist, und eben weil ich auch mal so jung war und so was wahrscheinlich witzig gefunden hätte, tue ich mir selber leid), der Kollege links von mir fragt leise: Aber der redet nicht von uns, oder?, da muss ich dann lachen. Schonmal habe ich für Chefs gearbeitet, die ich nicht mochte und habe es hinterher bereut. Und jetzt? Träume ich von einem Umzug in eine größere Wohnung, was, wenn mich die beiden Mitbewerber, die der Vermieter heute am Telefon erwähnte, nicht ausstechen, sogar wahr werden könnte. Nachdem ich jahrelang immer wieder geträumt habe (und zwar nachts, nicht tagsüber), meine Wohnung wäre viel größer als in Wirklichkeit, da gäbe es weitere Räume, von denen ich sogar wüsste, aber die ich aus irgendeinem Grund nie benutzt hätte, und ich würde durch diese Räume wandeln und mich fragen – warum, warum habe ich hier nicht gewohnt, mich ausgebreitet, alle Räume in Besitz genommen, mich immer nur auf so einen kleinen Teil beschränkt – warum? Man übertrage diesen Traum wahlweise auf meine Persönlichkeit oder auf meine Art, mein Leben zu leben, und denke sich seinen Teil. G. jedenfalls, dem ich neulich von diesem Traum erzählte, musste ziemlich lachen. Nach Feierabend spricht die Praktikantin von der ehemaligen Chefin als „Trulla“, mit einer Selbstsicherheit, bei der ich denke: Stimmt schon, die meisten Kollegen würden ihr jetzt beipflichten. Ich aber wittere mal wieder Misogynie und mache bloß große Augen.

Donnerstag, 6. November 2014

Das Fahrrad: Nachtrag

Wie sich heute früh herausstellte, war nur der Stecker locker, der die Lichtkabel mit dem Dynamo verbindet. Dass mir da wohl jemand den Stecker gezogen hatte, haha, passt irgendwie auch hervorragend in die Wahnsinnsanalogie der ganzen Fahrrad-Geschichte. Bei der Internetrecherche zu Fahrradlicht-Problemquellen übrigens auf diesen Text gestoßen, über den ich ziemlich lachen musste. Und nun weiterhin gute Fahrt.

Mittwoch, 5. November 2014

Das Fahrrad

Das Fahrrad in die Werkstatt gebracht, das ich täglich fahre und das, wie sich herausstellte, nicht nur einen neuen Antrieb, sondern ein komplett neues Hinterrad brauchte, abgeholt, viel Geld bezahlt, Gute Fahrt gewünscht bekommen, einen Tag lang gute Fahrt gehabt. Dann fehlte nach Feierabend plötzlich die Kappe, die das Licht abdeckt.
Das Fahrrad in die Werkstatt gebracht, den Mechanikern beim Herumkramen in den Kramkisten zugeschaut, eine triumphierende Mechanikerfaust gesehen, als eine passende Kappe gefunden war, lachen müssen, wenig Geld bezahlt, Gute Fahrt gewünscht bekommen, einen Tag lang gute Fahrt gehabt. Dann funktionierte nach Feierabend das Licht plötzlich nicht mehr, weder vorne noch hinten.
Überlegt: Das Fahrrad jetzt wieder in die Werkstatt bringen? Nein, heimfahren, mich morgen drum kümmern, auf dem Weg von Polizisten angehalten worden, aber Sie haben da doch Licht!, gesagt bekommen, JA SCHON ABER UND UND UND geantwortet, mit wütendem Eifer meine Fahrrad-Leidensgeschichte dargelegt, kein Geld bezahlt, Aber fahren Sie vorsichtig gewünscht bekommen, zu Hause angekommen, beinahe heulen müssen.
An das Täschchen denken müssen mit dem Aufdruck „U can’t buy happiness but u can buy a bike and that’s pretty close“, das ich neulich auf einem dieser Hipster-Handwerkermärkte gesehen habe und hätte ich genug Geld dabei gehabt, hätte ich es gleich gekauft.
Dass es aber auch solche Dinge sind, die mich gerade dermaßen aus dem Takt bringen.