Donnerstag, 24. April 2014

Lieblosigkeit


Und dann der französische Kurator, der erzählt, das Goethe-Institut hätte ihn auch für Lagos angefragt, „aber Afrika interessiert mich ü-ber-haupt-nicht, also wirklich gar nicht“, und der, wir sitzen sicher eine Stunde zusammen, weder S. noch mich fragt, wer wir eigentlich sind oder was wir machen, sondern uns offenbar einfach bloß als sein Publikum begreift, in aller Großkotzigkeit. Wir, soviel muss klar sein, interessieren ihn ü-ber-haupt-nicht, also wirklich gar nicht, gleichwohl habe ich den Eindruck, dass er mich nicht unattraktiv findet, und früher hätte mich das vielleicht sogar irgendwie gereizt, denke ich, ein bisschen flirten, wenigstens irgendeine Art von Amusement aus dieser Begegnung herausschlagen. Inzwischen aber sitze ich nur noch dar, wie M. zu sagen pflegte, ach, wie ich M. plötzlich vermisse, wie wir uns verstanden, wieviel wir gelacht haben, unerreicht und vorbei, vorbei, vorbei. Ich war damals ein anderer Mensch, sage ich mir manchmal, als wäre das ein Trost, aber immerhin war dieser andere Mensch damals auch ich, nur kriege ich genau das nicht zusammen und schiebe den Gedanken dann immer schnell zur Seite. Als der Kurator und seine ebenfalls französische Begleiterin sich schließlich verabschieden und jemand am Tisch sich beschwert: Ach, die Franzosen, immer so früh schon müde!, lehnt er sich zu mir herüber und fragt raunend: Aber wer hat den zweiten Weltkrieg gewonnen?, und ich mache große Augen und sage, mir sei nicht klar, was ich darauf antworten solle. „Ich jedenfalls nicht“, das fällt mir natürlich später erst ein. Es wird weitergetrunken, J. setzt sich dazu und begrüßt S. und mich mit: Hallo Bitches!, natürlich irgendwie witzig gemeint, natürlich zum Kotzen, und kurz darauf, J. schwingt große Reden über die Ewigkeit, habe ich endgültig keine Lust mehr. Lieblosigkeit, sagt S. am nächsten Tag, und ich weiß genau, was sie meint, habe selber bloß einen anderen Begriff für die Stimmung an solchen Abenden: Abgefucktheit. Und weiß, ich habe das nicht immer so empfunden, vor ein paar Jahren fand ich es noch toll, das sinnlose Saufen und Quatschen und das Gefühl, sein Leben zu verschwenden, und es gern zu tun, revolutionär kam mir das vor. Lächerlich. „Es ist nicht mehr so wie früher“, sagte ich neulich zu A., der vor ein paar Jahren noch häufig dabei war und inzwischen gar nicht mehr, und er: „Das hast du schön gesagt.“  

Mittwoch, 9. April 2014

Bloggerinnen-Selbsterkenntnis

Eigentlich müsste ich alles gleich verbloggen, dachte ich, als ich heute meinen Ideenzettel zum Altpapier legte, weil mir klar geworden war, dass ich zu keinem der vier Punkte noch was schreiben würde. Also nichts zu 
  1. Drei Männer im Auto reden über Geburt
  2. „Sind die eigentlich nett?“
  3. Albtraum vor der Buchmesse
  4. Dickbäuchige Männer in Lederjacken

Schade eigentlich. Aber ich habe den richtigen Zeitpunkt verpasst. Impulsbloggen, das ist es, was ich hier mache, und das müsste ich mehr zelebrieren, um hier irgendeine Art von Regelmäßigkeit reinzubringen.
Müsste, müsste, müsste.

Alldieweil:
Na dann, hoch die Tassen!