Sonntag, 23. März 2014

Fotos der Woche

Schnecken können also husten? Wieder was gelernt. Gesamter Artikel hier. 

 Der traurigste Balkon der Stadt. 


Held der Transportfahrradfahrt.

Freitag, 21. März 2014

Manchmal wünschte ich mir

, die allgemein verbreitete Frage, um ein Gespräch zu beginnen, wäre: „Haben Sie Lust, sich zu unterhalten?“ und nicht „Ist der Platz neben Ihnen noch frei?“ Grad gestern, auf G.s Buchpremiere, hat sich mal wieder so ein Typ neben mich gesetzt, ist dann gleich wieder aufgestanden, um sich was zu trinken zu holen, „Aber Sie halten mir den Platz frei?“, gell, zwinkerzwinker, und als er zurückkam, erzählte er, er kenne den Autor gar nicht, habe das Buch auch nicht gelesen, er würde nur um die Ecke wohnen, so ein bisschen Literatur am Abend, warum nicht. Ob ich denn den Autor kennen würde?, ach befreundet und ob es denn sein erstes Buch sei?, ach das vierte und ob es mir gefallen habe? Ja? Worum es denn gehe? „Lässt sich schwer in einem Satz zusammenfassen“, sagte ich. Ach. Das da drüben sei übrigens die Buchhändlerin, und das der Buchhändler. Während der Lesung lachte der Typ ein paarmal an den richtigen Stellen, aber als im Publikumsgespräch danach die Frage gestellt wurde, wie lange G. denn an so einem Buch schreibe und G. sagte, zweieinhalb Jahre in diesem Fall, und das sei eher noch kurz, lehnte der Typ neben mir sich zu mir rüber und raunte: „Ob der davon leben kann, das fragt man jetzt besser nicht“, gell, zwinkerzwinker. Und ich sitze mal wieder da und sage nichts, mache nur so ein Tja-Schnaubgeräusch durch die Nase, und ärgere mich, vielmehr als über den plumpen Verbrüderungsversuch – schon schön, was diese Künstler da so produzieren, aber Geld haben immer noch nur wir, nicht die – über mich selbst, dass ich dem Typen nicht zeige, dass er damit bei mir nun wirklich an der falschesten aller Adressen ist. Und denke gleichzeitig: Es hört nie auf. Selbst bei G., der, hochdekoriert mit Preisen und Stipendien, zusätzlich beim Radio arbeitend, mit seiner Frau und zwei Kindern ein gutes Leben lebt, hört es nicht auf. Solange seine Bücher nicht auf der Bestsellerliste stehen, wird die Wertschätzung für seine künstlerische Arbeit immer, immer, immer mit einer Abwertung verbunden sein, denn der Dichter muss arm sein, das weiß man doch, der Dichter muss irre sein, sonst würde er nicht dichten, der Dichter muss am Rande der Gesellschaft stehen, um etwas über die Gesellschaft sagen zu können. Was ich mir derweil auf die To-Do-Liste schreibe: konfrontativer werden. 

Montag, 17. März 2014

Das Gelaber über Sex

Mich beschäftigt einfach die Aufrechterhaltung von Erotik in langjährigen Beziehungen in größerem Maße als die Aufrechterhaltung unseres Wirtschaftssystems“, schrieb Rebecca Martin neulich in der ZEIT und als eine Facebook-Freundin von mir den Artikel mit genau diesem Zitat verlinkte, musste ich lachen und wollte kommentieren: „Wie alt ist die Autorin nochmal? 16?“, ergoogelte dann, dass sie 24 ist, im selben Alter wie meine Facebook-Freundin, die eigentlich nur eine Bekannte ist, weswegen ich doch nicht kommentierte, vielleicht, dachte ich, ist es ihr mit diesem Gedanken ja ernst, vielleicht berührt er ihr Leben. Das Thema scheint jedenfalls so einige Leute umzutreiben, erst neulich bei einer zufällig zusammengewürfelten Abendessenrunde kam das Gespräch darauf und alle waren sich einig, dass die Aufrechterhaltung von Erotik in langjährigen Beziehungen enorm wichtig und erstrebenswert sei, aber eben überaus schwierig zu bewerkstelligen. (Die jeweiligen Partner_innen waren bezeichnenderweise nicht anwesend.) Sex, ja gerne, aber der müsse doch nicht unbedingt innerhalb der Beziehung stattfinden, sagte T. und alle schauten etwas erschrocken. Sexualität, die Art und Weise des Begehrens, könne sich ja mit der Zeit auch ändern, sagte R. und alle nickten wissend. Die Vorstellung von vorhergeplanten Schäferstündchen, wenn man beispielsweise Kinder habe und kein Raum mehr sei für Spontaneität, das finde sie abschreckend, sagte M. und alle wogen ihre Köpfe, naja, najaaaaa. Ich saß daneben und musste daran denken, wie ich als Grundschülerin mit meinen Freundinnen kleine Zettel gemalt und in der Nachbarschaft aufgehängt habe, dass bitte die Hundebesitzer die Hundehaufen einsammeln und wegwerfen mögen, haltet unsere Gehwege sauber, rührend im Nachhein. Wie ich mich engagiert habe. Wie wenig das gebracht hat. Wie egal mir die Hundehaufe auf den Straßen heute sind. „Dann fickt halt etwas weniger, wenn ihr älter werdet“, las ich gestern in der Kolumne von Sibylle Berg und musste wieder lachen, auch wenn es bei ihr um ein bisschen was anderes geht. Mit so einer Bemerkung hätte ich mich in der Runde von neulich mal schön unbeliebt machen können. Aber das wäre gar nicht in meinem Sinne gewesen. Ich finde es ja gut, wenn die Leute sich darüber unterhalten, was ihnen wichtig ist. Und doch ödet mich das Gelaber über Sex an. Denn eigentlich geht es dabei nur darum, Einigkeit herzustellen: Ja, wir alle wollen die Zweierbeziehung, die langjährige, ebenso wie das Sexualleben, das erfüllte, und ja, wir fürchten das Verschwinden des Verlangens, als wärs eine Krankheit oder der Tod. Ah, hier kommt unser Essen, guten Appetit.

Sonntag, 16. März 2014

Lektüre und Idee

Gelesen: Annette Pehnt – Lexikon der Angst. Kann ich, wie alle Bücher von Annette Pehnt, wärmstens empfehlen. Eine meiner Lieblingsautorinnen.

Idee gehabt: Im Einkaufwagen vorgefundene Kassenbons nachshoppen. Dokumentieren, was man aus den Einkäufen gemacht hat. (Idee nicht umgesetzt.)

Mittwoch, 12. März 2014

Ich lerne eine neue Sprache

, lerne zuerst das Alphabet, diese komplett anderen Buchstaben. Wir malen sie wie Grundschüler, ordentlich in Reihen auf ein Blatt Papier, unsere Lehrerin geht herum, lobt mich, geht noch einmal herum, lobt mich noch einmal. „Machen Sie was mit Gestaltung?“, fragt sie, „Nein“, sage ich, möchte fast hinzufügen: Aber ich hatte Kunst-LK!, als würde das, vierzehn Jahre nach dem Abitur, noch irgendeine Rolle spielen, meine Güte, und was folgt, ist natürlich ein gedanklicher Exkurs unter dem Motto „Was wäre wenn“, was wäre also wenn ich etwas mit Gestaltung machen würde, weil ich zuvor etwas mit Gestaltung gelernt hätte, weil ich mich nach dem Abitur anders entschieden hätte; Talent, das zeigen mir die beiden nach oben gestreckten Daumen der Lehrerin, hätte ich ja gehabt bzw habe ich noch, ich säße dann jeden Tag in einem dieser Schaufensterbüros vor einem riesigen Bildschirm und würde irgendwas gestalten, Plakate vielleicht oder Broschüren und wäre, was ich ja auch bin, neidisch auf den Einfall mit den New Commas, die meinen Header zieren, und meine Wohnung wäre sicher viel hübscher eingerichtet und ich wäre ein anderer Mensch, ein bisschen zumindest, Tagtraum Ende, der nächste Buchstabe ist dran.

Und später dann dieser Typ, der vor vier Jahren, als ich ihn kennenlernte, noch orthodox lebte, stets Kippa trug und im Hotel zum Frühstück Knäckebrot und ein gekochtes Ei aß, weil das noch die koscherste Option war, und der jetzt eine Hipsterbrille trägt und eine zerfetzte Jeans, eine bereits zerfetzt gekaufte wohlgemerkt, und sehr öffentlich turtelt mit der Frau an seiner Seite, die er vor vier Jahren, schätze ich, noch nicht kannte, und der mir in einem raunenden Tonfall, Vertraulichkeit suggerierend, von der „Umstrukturierung“ in seinem Leben erzählt, ein Wort, als wärs ein rein technischer Prozess.

Und später dann auch die Frage: Und wo ist dein Mann?, und mir fällt wieder ein, genau, so war es, so ist es als Pärchen, um der Verpartnerungsnorm zu entsprechen, muss man stets zu zweit auftreten, tut man dies nicht, macht man sich gleich verdächtig und wird investigativ befragt, und dann hat man eine Entschuldigung vorzubringen, mein Partner kann heute nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen, weil, bitte ankreuzen. Zu oft darf das natürlich nicht passieren, sonst bleibt man sitzen und darf nicht mehr mit den anderen Pärchen, die bessere Noten in Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung haben, in eine Klasse gehen.

Montag, 10. März 2014

Und dann

, beim HTML-Workshop am Samstagabend, der darin bestand, dass wir alle ein Wordpress-Blog eröffneten und als die Workshopleiterin sagte, sie hätte vielleicht nicht schon zwei Bier trinken sollen, als ich selber bereits Rotwein trank, nachdem uns beim Blicktheorie-Vortrag zuvor die Frage gestellt worden war, ob eine Frau ein Voyeur sein kann, und jemand fragte: „Eine Voyeurin vielleicht?“, und es bei der Frage eigentlich darum gehen sollte, ob Frauen bloß auf von Männern geschaffene Strukturen zurückgreifen können usw., und als ich ein grundsätzliches Frohsein darüber verspürte, dass es andere Personen gibt, die über sowas nachdenken, und deren Sprechen darüber sich genauso unfertig und roh anhört wie meine eigenen Gedanken, da, ja da hatte ich plötzlich wieder Lust zu bloggen.
Und sah später in der Kneipe dieses Buch im Regal wie so für mich dahingelegt: