Montag, 4. Dezember 2017

Notizen KW 48

100 Portraits of Cyclists in Berlin. (Bis jetzt sind es nur zwölf.)
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Ich nenne Demenz Altenleid und sage, dass Demente unglücklich orientiert sind. Jeder Mensch altert anders. Wir haben rund 100 Milliarden Neuronen, und im Laufe des Lebens gehen zahlreiche davon zugrunde. Wenn man sehr alt ist, vergisst man nun mal. Das sollte man akzeptieren, so wie man Falten bekommt - mit 85 hat man davon mehr als mit 70 Jahren, bei den Neuronen ist es anders herum. Eine Tablette dagegen gibt es nicht.
Demenz ist keine Krankheit – ein Interview mit Naomi Feil
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Meine Schrottcontainerkindheit – Vanessa Vu erzählt über ihr Aufwachsen in einem Asylantenheim, in Deutschland, in den 90ern, der Text endet mit den Worten "Ich stieg die Treppen hinab, schob die Gedanken beiseite und betrat den Bus in mein eigenes, unerträglich bequemes, freies Leben", unerträglich bequem, ja genau, ja, ja, ja.
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Tja: Wenig im Internet finde ich so interessant wie die Serie Kontoauszug von Zeit-Online.
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arte KinoFestival: Hier kann man sich bis zum 17. Dezember ein paar Filme angucken, unter anderem Helle Nächte von Thomas Arslan, der eh noch auf meiner Liste steht.
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Und sonst? Hat es in Berlin gestern, wie mir der Nachmittagsbesuch berichtete, zum ersten Mal geschneit, ich bin lieber drinnen geblieben, habe Kekse gegessen und nicht aus dem Fenster geschaut. Heute habe ich mir zum ersten Mal eine Kurkuma-Wurzel gekauft, sie kleingerieben (Küchenhandschuhe wären dabei empfehlenswert gewesen), mit heißem Wasser übergossen und den Sud dann getrunken, weil mir eine Bürokollegin erzählte, sie wäre davon übers Wochenende gesund geworden. Ich habe bis auf Halsschmerzen derzeit eigentlich keine Beschwerden, aber eine Stimme wie Hildegard Knef, weswegen ich mich, jedes Mal, wenn ich etwas sage, fühle wie eine Grande Dame, 50 Jahre alt, drei Viertel davon Zigaretten geraucht, mehrere Liebhaber und Liebhaberinnen gehabt, so dies und das über die Dinge des Lebens wissend, vor allem aber, dass einem dieses Wissen im Zweifelsfall eh nix nützt, alle Mitmenschen nurmehr "Kinder" nennend, Lieblingsausspruch: "Ach Kinder, Kinder, Kinder!", mit diesem nonchalanten Lächeln. Alter Ego durch Heiserkeit, so einfach geht das.

Montag, 6. November 2017

Notizen KW 44


Als ich am Dienstag joggen gehe, es ist schon dunkel, es ist Reformationstag, kommen mir kleine Mumien entgegen, Vampire, Monster mit grünem Gesicht, ein Kind im Skelett-Kostüm an der Hand seines Vaters, es hat die Mütze mit dem Schädelaufdruck hochgeschoben, schaut mit müden, verwirrten Augen in die Welt, dann wieder Mumien, offenbar die beliebteste Verkleidung, weil sie so leicht umzusetzen ist, mit ein paar Mullbinden, die man sich um den Kopf wickelt. 
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Sie sei so disappointed gewesen, sagt die Yogalehrerin am Mittwoch in ihrer kleinen, ja wie nennt man das eigentlich, Predigt sicher nicht, in ihrer kleinen Rede zu Beginn der Stunde, so enttäuscht also, dass es im Focus of the Month nicht um Veganism gehe, sondern um Inversions, es gehe sonst im November immer um Veganism, weil November bedeute ja Thanksgiving, und heute sei übrigens World Vegan Day, sie redet noch eine ganze Weile darüber, wie verwerflich es sei, anderen wehzutun, und wie man, indem man jemanden esse, demjenigen ganz sicher wehtue; es ist diese Art von Unterricht, wo man nicht nur Yoga, sondern auch eine Weltanschauung vermittelt bekommt, was ich mal mehr, mal weniger gut vertrage, am Mittwoch fühle ich mich nach der Stunde wie ein schlechter Mensch; noch schlechter, als ich zu Hause in den Kühlschrank schaue und mich über den guten Käse freue, den unser Besuch eingekauft hat.
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In meiner alten Straße, lese ich in einem Berlin-Newsletter, hat ein neuer Hipsterladen eröffnet, wo man nun carefully curated Dies und Das kaufen kann. Dass da früher ein kleiner Schlecker war, daran erinnert sich außer mir auch Google Maps.
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Melancholie allerorten, auch im Weltall: "Der Wissenschaftler geht nicht davon aus, dass das Objekt, das zunächst fälschlicherweise für einen Kometen gehalten wurde, noch einmal in unser Sonnensystem zurückkehren wird."
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"Wenn wir aber die ganz realen Gefahren der Erderhitzung betrachten sollen, leiden wir an einem unglaublichen Mangel an Vorstellungskraft." Um diesen Mangel zu beheben, leistet der Artikel ganze Arbeit – und der nebenbei erwähnte, schöne Genrebegriff "Umweltgrusel" bezeichnet im Grunde genau das, was mich beim Lesen erfasst hat.
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Humor in Kundenfragen und -antworten auf Amazon.de: Eine Untersuchung
 
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Kurzfilm: Monday – A German Love Story

Montag, 30. Oktober 2017

Notizen KW 43

Ich habe ein neues Handy, das mich an meinem Daumenabdruck erkennt, was mir ein merkwürdiges Gefühl der Intimität gibt. Wie gut das zum Gesamtgefüge Mensch-Handy passt, wo wir alle diese Geräte doch ständig bei uns tragen, andauernd zur Hand nehmen, darauf herumstreichen und tippen und die Vorstellung beängstigend finden, es könnte verloren gehen oder geklaut werden. Ich erinnere mich an eine Werbung von vor Jahren, in der ein animiertes Handy traurig seinem Besitzer hinterhergerannt ist, der inzwischen ein neues Modell hatte, und wie leid mir das alte Handy tat – ein schlimmer Fall von Clueyness. Interessanterweise musste ich für mein neues Handy erst eine Schutzhülle kaufen und eine Panzerglasfolie, bevor ich mich getraut habe, es wirklich zu benutzen. Bei dem alten Modell, meinem ersten Smartphone von vor viereinhalb Jahren, fand ich das noch überhaupt nicht nötig, es war von Anfang an robust genug und konnte in jede Tasche gepfeffert werden. Schön auch: Wenn man, wie ich, in Sachen Datensicherung so dermaßen nachlässig ist, geht einem, wenn das alte Handy unverhofft in die ewigen Jagdgründe eingeht, extrem viel verloren, unter anderem alle Telefonnummer. So verschwinden mit einem Mal alle Leute, mit denen man eh nix mehr zu tun hatte, aus den eigenen Kontakten, während man bei allen anderen nach und nach die Telefonnummern erneut erfragen darf. Dumm nur, wenn dann plötzlich der alte Chef anruft, den man natürlich noch nicht mit einem Ey kannste mir nochmal deine Handynummer geben belagert hat, das neue Handy also nur die Telefonnummer anzeigt und dann noch die Verbindung schlecht ist, und man die erste halbe Minute blöde fragt, Schulligung, WER ist da, Schulligung, WER GENAU? Schön auch, dass das neue Handy bessere Fotos macht als das alte, z.B. von Granatapfelkernen.
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Hier ist ein Song für dich, schrieb F. mir mit einem Link zu diesem Lied.
Someone please finish what I started 
I tried my best, but my best was half hearted

Montag, 16. Oktober 2017

Notizen KW 41

Die Terrorübung, bei der die Berliner Polizei neulich einen Angriff mit Biowaffen simuliert hat, lief unter dem Namen "Wunderbaum". Ja genau, so heißen auch diese Lufterfrischer, die eine Zeitlang von jedem Autorückspiegel baumelten und die man jeweils nur stückchenweise aus der Plastikverpackung ziehen darf, weil der Gestank, ah nein: der Duft sonst unerträglich wäre.
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Die Telegram-Spezialfunktion für Introvertierte
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Was für ein Name für einen Waffenladen. Sind wir nicht alle Soldaten des Schicksals, kämpfen in der Armee der Ergebenheit.
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Der Kram von Krim zu verschenken. Auch schön, warum nicht.
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Kochbuch für Witwer:
"Es ist wirklich entstanden aus den Erzählungen unserer Pflegekräfte, die gekommen sind und gesagt haben: Ich weiß überhaupt nicht, was ich jetzt essen soll, können sie mir nicht mal ein einfaches Rezept aufschreiben?"

Montag, 9. Oktober 2017

Notizen KW 40

Was es alles gibt: Diskrete Mathematik. Mit taktvollen Gleichungen, zurückhaltenden Nachkommastellen und unaufdringlichen Unbekannten hat das Ganze natürlich nichts zu tun, sondern mit, äh ja, wer das gut erklären kann, tue es bitte in den Kommentaren.
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In meinem Regal auf der Suche nach einem ganz anderen Buch überraschenderweise auf "Was vom Tage übrigblieb" des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers gestoßen. Wusste gar nicht, dass ich das besitze. Gelesen habe ich es auch noch nicht (oder ich erinnere mich nicht daran). Die Vorstellung (der Wunschtraum) von einem magischen Bücherregal, in dem sich stets alle Bücher finden, die einen momentan eventuell interessieren könnten.
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Seltsam berührende Headline. Die Schönheit der Alliterationen. Die Traurigkeit des Inhalts. Die geradezu symbolhafte Zufälligkeit der Zahl 18.
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Noch von irgendwann in meinem Linkordner: 7 videos of German facial expressions that need explaining – "5. Blinking 'Hello'" könnte ich mir immer und immer und immer und immer wieder angucken.

Mittwoch, 27. September 2017